Essstörung- Beginn aufgrund deiner Kindheit?
- Health Care Akademie

- 21. Nov. 2025
- 2 Min. Lesezeit

Warum Essstörungen oft ihren Ursprung im Bindungstrauma der Kindheit haben
Einleitung Essstörungen sind komplexe Erkrankungen, deren Ursachen oft mehrere Ebenen berühren: biologische Veranlagung, psychische Belastungen, soziale Rahmenbedingungen. Für viele Betroffene spielen frühkindliche Bindungserfahrungen eine zentrale Rolle. Bindungstrauma – schädliche oder gestörte Bindungsprozesse in der Kindheit – kann das Risiko erhöhen, später eine Essstörung zu entwickeln. In diesem Beitrag beleuchten wir, wie und warum das so sein kann, welche Mechanismen beteiligt sind und wie Heilung möglich ist.
Was Bindungstrauma bedeutet
Bindung bedeutet sichere, verlässliche Beziehungserfahrungen, die Vertrauen, Selbstwertgefühl und Regulation von Emotionen ermöglichen.
Bindungstrauma entsteht, wenn Bindungspersonen verlässlich fehlen, waghaltig handeln, emotional unavailable sind oder Missbrauch erleben. Solche Muster können früh verankert bleiben und das neurobiologische Stressregulationssystem beeinflussen.
Folgen können ein verändertes Sicherheitsgefühl, geringe emotionale Regulierung, Scham- und Schuldgefühle sowie eine chronische Belastungssituation sein.
Wie Kindheitserfahrungen mit Bindungstrauma Essstörungen beeinflussen können
Regulation von Hunger und Sättigung: In unsicheren Bindungsstrukturen lernen Kinder oft, Emotionen und Bedürfnisse zu regulieren, indem sie äußere Signale verstärken oder verdrängen. Essen kann zu einem bewussten oder unbewussten Schema werden, mit dem Kontrolle, Trost oder Beruhigung gesucht wird.
Selbstregulation und Stressbewältigung: Essanfälle, restriktives Essen oder andere Essverhalten können als kurzfristige Bewältigungsstrategie dienen, wenn innere Erregung zu überwältigend ist und keine sichere Bezugsperson vorhanden ist.
Körperwahrnehmung und Selbstwert: Wiederkehrende negative Botschaften über den eigenen Körper oder der chronische Stress beeinträchtigen die positive Körperwahrnehmung. Ein geschundener Selbstwert kann sich im Wunsch nach Kontrolle über den eigenen Körper bzw. Erbrechen oder Hungern ausdrücken.
Bindung und Vertrauen zu sich selbst: Trauma in der Kindheit kann das Vertrauen in die eigenen Bedürfnisse und die Fähigkeit, sie zu erfüllen, erschüttern. Essen wird dann zu einem Feld, in dem Kontrolle, Grenze setzen und Selbstfürsorge erprobt werden – oft allerdings in dysfunktionaler Form.
Emotionale Benennung und Verarbeitung: Schwierigkeiten, Gefühle zu benennen oder zu regulieren, führen dazu, dass Emotionen durch Essverhalten betäubt oder kanalisiert werden. So wird Essen zu einer Art emotionalem Kompass in einer Welt, in der Sicherheit fehlt.
Typische Verläufe und Muster
Frühkindliche Wunden, späteres Über- oder Unteressen: Kinder, die chronisch Stress erleben, neigen dazu, Essmuster zu entwickeln, die später zu einer Störung weitergeführt werden.
Bindungsstil und Risikoprofile: Unsichere Bindungsstile (unsicher vermiedene oder ängstlich-ambivalente Muster) kommen häufiger bei Menschen mit Essstörungen vor, oft begleitet von Fantasie über perfekte Kontrolle des Körpers.
Komorbiditäten: Depression, Angststörungen, posttraumatische Belastungsstörung oder Substanzmissbrauch treten häufig gemeinsam auf, was den Heilungsweg komplexer macht.
Woran man Anzeichen erkennen kann
Anhaltendes, unregulierbares Essen oder Verzicht auf Essen, begleitet von starkem emotionalem Leid.
Starke Selbstkritik, Körperbildstörungen, obsessive Gedanken über Gewicht oder Erscheinung.
Wiederkehrende Erinnerungslücken, Flashbacks oder Vermeidungsverhalten in Bezug auf Essen oder Körper.
Schwierigkeiten, Bedürfnisse zu benennen oder Grenzen zu setzen, oft in Verbindung mit Konfliktscheu und Schuldgefühlen.
Wie Heilung aussehen kann
Traumafokussierte Therapien: Verfahren wie EMDR, traumafokussierte kognitive Verhaltenstherapie oder iBindungstrauma Therapie, Traumata zu verarbeiten und emotionale Regulierung zu verbessern.
Bindungsbasierte Ansätze: Therapien, die Sicherheit in Beziehungen betonen, z. B. Mentalisierungsbasierte Therapie oder dyadische Interventionen, können Bindungsgeschichte reparieren helfen.
Ernährungstherapie und medizinische Abklärung: Eine fachkundige Begleitung durch Ernährungsberater_innen oder Diätolog_innen zur Wiederherstellung eines gesunden Essverhaltens und zur Behandlung körperlicher Folgen.
Bindungstraum findest du im Lehrgang Traumatherapie als Thema.



Kommentare